Respekt vor der Kreatur.

Sozialen Netzwerke sind in schönes Spiegelbild für das widersprüchliche denken und Empfinden von so manch einem Zeitgenossen. Regelmäßig findet man Aufrufe und Appelle die jedes Tierschützer-Herz zum bluten bringen und nicht selten entwickeln sich dann mehr oder weniger konstruktive Diskussionen darüber, was man besser machen kann und wie Menschen nur so grausam und brutal zu Tieren sein können.
In eben so einer Regelmäßigkeit finden sich dann aber die Beiträge (überwiegend weiblicher) Aspiranten, dass sie wieder einmal Besuch von einer mindestens faustgroßen Spinne in Ihrem Domizil hatten. Diese Unterhaltungen enden dann meistens in mehr oder weniger brauchbaren Tips zur Beseitigung/Tötung dieser unerwünschten Mitbewohner.
Betrachtet man sich die Verfasser all dieser Kommentare dann genauer erkennt man früher oder später eine seltsame Schnittmenge: Sie wird angefüllt mit Menschen die sich auf der einen Seite vehement für den Schutz unschuldigen Lebens engagieren, vielleicht sogar auf den Verzehr von Fleisch verzichten - auf der anderen Seite aber nicht hadern, wenn sie sich von einem centstückgroßen Achtbeiner bedroht fühlen - diesen auch zu erschlagen oder aufzusaugen oder sonstwas.
Nun kann man lange darüber diskutieren, ob und in wie fern das Eine nichts mit dem Anderen zu tun hat. Über die Unterschiede von Säugetieren und Insekten sinnieren oder sich die Frage stellen, ob eine Milbe bereits so viel Persönlichkeit hat wie eine Vogelspinne. Doch für mich fängt der gebotene Respekt vor der Kreatur genau da an, wo Andere bereits bedenkenlos zuschlagen. Und ich werde vermutlich nicht aufhören mich darüber zu wundern, dass so viele Menschen selbst bei diesem Thema so gerne mit zweierlei Maß messen.