Warum ich den Herbst so sehr liebe ...

Einige wissen ja, dass ich mitten unter Euch in einer anderen Zeitzone lebe. Das hat viele gute Gründe und ein besonders zauberhafter ist mir eben wieder mit aller Macht bewusst geworden.

Ich mag die Nacht nicht wegen des fehlenden Lichtes, sondern weil sie die Welt um mich herum beruhigt. Das wuselige Leben, dass einen sonst umgibt, zieht sich langsam in die Behausungen zurück. Die Straßen werden ruhig und die Menschen bereiten sich auf Ihren Feierabend vor.

Für so viele bedeutet „Prime Time“ das langsame entschlummern auf dem Sofa und für mich ist es allenfalls die Zeit mal über das Mittagessen nachzudenken. Deshalb gehe ich auch gerne zu dieser Zeit einkaufen. Der Kaufmannsladen ist viel leerer, die Bediensteten zwar abgekämpft, aber bereits in freudiger Erwartung auf ihr baldiges Arbeitsende, es geht alles ein wenig langsamer - und trotzdem spart man Zeit.

Als ich eben aus dem kleinen Markt ums Eck kam und ganz allein auf dem sonst recht belebten Parkplatz stand, wusste ich wieder, dass ich hier und jetzt richtig bin. Die wenigen Geräusche von der Straße und aus der Siedlung gingen im sanften rascheln der Blätter des nahen Friedhofs unter und kein panischer Homo Hektikus weit und breit. Momente, die man sie sonst eher einem Sonntagabend im Winter zuschreibt. Doch jetzt, wo es noch mild ist und mit etwas Glück die Luft nach frisch geschnittenem Geäst riecht — dann ist dieser Moment, an dem die Sonne einer langsam kriechenden Kälte weicht, der vielleicht schönste Augenblick des Tages.

Sicher kann ein Jeder diesen Zeitpunkt erleben. Doch ich es macht einen Unterschied, ob man bereits sein Tagewerk hinter sich hat und sich nach der heimischen Ruhe sehnt, oder ob man im Grunde gerade erst richtig wach wird und die Ruhe des Tages in vollen Zügen auskosten kann. Denn morgens ist es irgendwie anders - dann wenn die Stille der Nacht durch das aufkeimende Treiben gebrochen wird ist es aus mit dem Frieden. Für mich die beste Zeit schlafen zu gehen. Gerade im Herbst.

Musik des Jahres 2012.

Dieses Jahr fällt es mir gar nicht leicht, ein bestes "Dies" oder "Das" zu küren. Nicht, weil 2012 musikalisch wenig zu bieten hatte - eigentlich war es: Zu viel gute Musik in zu wenig Kategorien...

Mehr...

Ist Kreativität überhaupt gefragt?

Früher oder später gerät jeder "Kreative" an den Punkt, sein eigenes Schaffen zu hinterfragen. Das ist ein guter und wichtiger Fakt, um sein eigenes Werk zu bewerten. Doch betrachtet man das Ganze einmal mit etwas Abstand, ergibt sich plötzlich ein ganz anderes, zuweilen höchst paradoxes Bild.

Egal welche Branche oder welche Disziplin man betrachtet - überall wird nach Neuem, Schönerem und Besserem gegiert. Man sucht scheinbar das Unbekannte, die Überraschung. Doch wie viele von diesen Überraschungen überleben tatsächlich? Was hält Einzug in unser Leben? Und was machen die eigentlich, die solche Überraschungen produzieren sollen?

Abgesehen von wenigen Revolutionen, wie der Marktreife eines Westentaschencomputers, auf dessen Bildschirm man mit den Fingern rumklimpern kann, passiert im Grunde nicht viel. Und das merkt jeder, der etwas erschaffen will:

- Der Photograph, der zum siebenhundertzwanzigsten Mal genau so ein Bild, wie das damals aufm Titel machen soll - aber bitte dabei aus der Mitte-Fünfzig-Jährigen einen griffigen Teenager retuschieren.

- Der Musiker, von dessen Komposition dank der "Markt-Weitsicht" des Labels allenfalls drei Töne übrig bleiben.

- Der Programmierer, dessen neues superschlankes Tool durch die Wünsche der Kundschaft bis zur Unendlichkeit aufgeblasen wird.

- Der Layouter, der ein umwerfend neues Konzept entwickeln soll, das dann durch die Auftraggeber so lange verbessert wird, bis es genau so aussieht, wie zur Erfindung des Desktop-Publishings.

- Der Graphiker, der endlich mal ein zeitgemäß schlichtes Logo präsentiert und nach langer Korrekturphase alle Farben des Regenbogens verbaut hat...

- Bleibt vielleicht noch die Kunst!? Ja, da kann man sich austoben, wie einem die Gehirnwindungen gewachsen sind. Wären nicht die Galerien und Händler... momentan ist doch gerade dieser Trend gefragt! Könnten sie nicht einfach malen, statt Skulpturen drechseln!?

Deswegen fahren wir auch am liebsten Golf in der achten Generation. Wobei... die erste war wirklich etwas revolutionär Neues... bis die Verbesserungen kamen... und der Wunsch, es jedem recht zu machen.

Einmal Chicken mit Salz bitte!

Selbst zu kochen - also nicht nur was essbares zubereiten - ist für mich immer noch eine relativ neue "Innovation" und das, was dabei herauskommt genügt sicher keinen Gourmet-Ansprüchen. Es ist simpel, und weil ich es von zu Hause nicht anders kenne, extrem Salzarm.

Vielleicht trieb mich ein verborgener Heißhunger auf Salz heute, nach langer Zeit, mal wieder in die Hallen einer weltbekannten Burger-Bratanstalt mit dem verheißungsvollen "King" im Namen.

Einmal Chicken-Irgendwas-Menue mit Kaltgetränk und Mayo bitte: 6,99 € - so wirklich "billig" is das ja garnicht - aber egal, früher hat mir dieses Zeugs ja auch gemundet. Die Pommes... und oh Wunder, die sonst gerne mal versalzenen Kartoffelstäbchen waren essbar und fielen garnicht so unangenehm auf. Doch bevor mir gleich der Burger ob meiner ethischen Bedenken im Halse stecken bleibt: Hinein damit. Schluck. Ähm, ja?

Weit mehr als irgendwelche Gedanken an Massengeflügelzucht wurden mir spontan meine Geschmacksknospen von den modernen Kochkünsten der Einheitsbräterei verbogen. Das künstliche Grillaroma lässt sich ja schon nicht wegignorieren, aber warum in Dreiteufels Namen packen die da so viel Salz drauf, dass es selbst einem, der auf der Suche nach genau einem solchen Erlebnis ist, spontan die Lippen aufspringen lässt?

Naja - vielleicht, damit man die Limonade anschließend voller Gier hinunterspült? Wenn es denn helfen würde. Einen halben Liter Zuckerwasser später hab ich immer noch einen Geschmack im Mund, als würde ich mit Wasser aus dem Toten Meer gurgeln.

In einem Punkt war dieser Ausflug zumindest gelungen: So schnell wird mich kein Heißhunger mehr auf Salz oder gar nach einem Nahrungsmittelimitat einer Fastfoodkette überkommen. Für die nächsten Stunden bleibt das flaue Gefühl in der Magengend und die hoffentlich beständige Einsicht, dass ich dort nicht mehr hingehöre.