Ich werde an einer Überdosis sterben!

Nein, ich rede nicht von stimmulierenden Substanzen, die man sich in unpassender Menge verabreichen kann. Ich meine auch garnicht die mir, von Natur aus, höchst unangenehme Überdosis Mensch, die regelmäßig zuerst meinen Kreislauf und dann meinen Verstand an den Rande des Zusammenbruches bringt. Und ich bin der festen Überzeugung, dass auch das Überangebot an Informationen und Wissen, was ich mir täglich reinschraube keinen weiteren Schaden ausrichten kann...

Aber spätestens an dem heutigen Tage ist mir bewusst geworden, das ich in einem überschaubaren Zeitfenster an einer massiven Überdosis Kommunikation verrecken werde.

Lange hat es gedauert, mein Umfeld an meine komische Zeitzone zu gewöhnen. Meinen Hauptkommunikationsweg habe ich auch deshalb bereits sehr früh auf Email umgestellt, denn es war immer eine prima Sache, genau dann antworten zu können, wenn es mir in den Kram passt und nicht dauernd vom Telefon aus dem Zusammenhang gerissen zu werden. Doch die schiere Menge an Emails und sonstigen Nachrichten die heutzutage so auf einen einprasselt haben irgendwie dazu geführt, dass ich mittlerweile oft auf Mails schneller antworte als andere ans Telefon gehen. Gelingt das nicht bleiben nicht nur die ungeschriebenen Antworten im Kopf, nein spätestens ne halbe Stunde später klingelt dann auch das Telefon: Warum man nicht geantwortet hat - oder warum man so umfangreich geantwortet hat, da könne man jetzt aber nicht drauf wechseln - oder warum man das nicht bestätigt hat... achso, es ist schon längst erledigt... oder wasauchimmer.

Nein! Mein Vorwurf geht nicht gegen "die Anderen". Jeder versucht nur nach seiner Fasson, mit seinem persönlichen Overkill, fertig zu werden. Der Vorwurf geht an mich selbst: Denn ich sollte es besser wissen! Ich habe schon einmal, vor über einem Jahrzehnt, eine berufliche Laufbahn aufgegeben weil ich zu dabei zu viel telefonieren musste...

Substanzen kann man entsagen. Vor zu vielen Menschen schützen mich sehr effektiv die eigenen vier Wände. Statt ständig neue Informationen aufzusaugen kann ich mich auch prima mal mit bekanntem auseinandersetzen. Das Telefon kann ich abstellen oder missachten, ohne das es mir gleich übel genommen wird und einen Anrufbeantworter braucht heute kein Mensch mehr - denn es gibt ja die Mail. Ist ja auch 'ne tolle Sache so eine Mail. Ich kann selbst bestimmen, wann ich sie lese und wann ich darauf antworte. Und ich könnte mir Filterregeln basteln: Die Guten in Kröpfchen und die Schlechten auf den Stapel. Aber lesen und beantworten muss ich sie doch irgendwann.

Leider ist es einer Überdosis egal, ob sie über den Tag verteilt oder auf einen Schlag eingenommen wird.