Einundfünfzig Rosen.

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Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass für mich als Kind meine Eltern so etwas wie die ersten Superhelden in meinem Leben waren. Papa der klügste und stärkste Mann der Welt und Mamma die mit Abstand liebenswerteste Frau, die ich mir vorstellen konnte. Irgendwann wurde das langsam dadurch entzaubert, das Supermann fliegen konnte und all die herzzerreißenden Kinofilme berührten mich mehr, als die wundervollen Gesten die sich direkt vor meiner Nase abspielten.

Da war schon immer dieser ganz besonderen Tag im Juli in unserem Hause - und irgendwann bemerkte ich, das jedes Jahr zur selben Zeit eine Rose mehr in der Blumenvase stand, wenn ich Ma und Pa begrüßte. Gestern Morgen fiel mein Blick auf einen Strauß mit 50 wunderschönen Rosen. 50 Jahre verheiratet - das ist länger als ich auf diesem Planeten wandele und das ist eine Etappe in einem gemeinsamen Leben die ich wohl kaum noch erreichen werde. 50 Jahre gemeinsame Höhen und 50 Jahre die ein oder andere Untiefe, doch jedes Jahr wuchs der Strauß um eine Rose.

Als am gestrigen Abend die Feierlichkeiten begannen, erzählte mein Vater von den 50 Jahren und davon das 5 Jahre zuvor alles mit einer Rose begann, die er unter Anstrengungen aus einem Garten pflückte. Er überreichte meiner Mutter eine weitere Rose mit den Worten „Und diese erste Rose habe ich für Dich konserviert“. Er hatte ein wenig geschwindelt, denn es war natürlich nicht die Rose die er seiner Liebsten bereits 1956 überreichte. Es war ein Schatulle in Form einer roten Rose in der sich eine goldene Kette mit einem Medaillon verbarg. Eine schlichte Plakette auf der eine Rose zu erkennen ist, eine Rose geprägt auf nichts weiter als purem Gold. Diesem ganz besonderen und wertvollen Metall, das für uns alle zum Sinnbild dieses Jubiläums geworden ist. Doch dessen Glanz nicht ansatzweise das widerspiegeln kann, was so ein Tag für die bedeutet, die ihn feiern dürfen.

Ich freue mich von ganzem Herzen diese einundfünfzig Rosen bei meinen Eltern erlebt zu haben - und ich weiß jetzt das ich als kleiner Junge schon genau so klug war wie heute: Denn meine Eltern sind und bleiben meine ganz persönlichen Superhelden.