Musik des Jahres 2012.

Dieses Jahr fällt es mir gar nicht leicht, ein bestes "Dies" oder "Das" zu küren. Nicht, weil 2012 musikalisch wenig zu bieten hatte - eigentlich war es: Zu viel gute Musik in zu wenig Kategorien...

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Ist Kreativität überhaupt gefragt?

Früher oder später gerät jeder "Kreative" an den Punkt, sein eigenes Schaffen zu hinterfragen. Das ist ein guter und wichtiger Fakt, um sein eigenes Werk zu bewerten. Doch betrachtet man das Ganze einmal mit etwas Abstand, ergibt sich plötzlich ein ganz anderes, zuweilen höchst paradoxes Bild.

Egal welche Branche oder welche Disziplin man betrachtet - überall wird nach Neuem, Schönerem und Besserem gegiert. Man sucht scheinbar das Unbekannte, die Überraschung. Doch wie viele von diesen Überraschungen überleben tatsächlich? Was hält Einzug in unser Leben? Und was machen die eigentlich, die solche Überraschungen produzieren sollen?

Abgesehen von wenigen Revolutionen, wie der Marktreife eines Westentaschencomputers, auf dessen Bildschirm man mit den Fingern rumklimpern kann, passiert im Grunde nicht viel. Und das merkt jeder, der etwas erschaffen will:

- Der Photograph, der zum siebenhundertzwanzigsten Mal genau so ein Bild, wie das damals aufm Titel machen soll - aber bitte dabei aus der Mitte-Fünfzig-Jährigen einen griffigen Teenager retuschieren.

- Der Musiker, von dessen Komposition dank der "Markt-Weitsicht" des Labels allenfalls drei Töne übrig bleiben.

- Der Programmierer, dessen neues superschlankes Tool durch die Wünsche der Kundschaft bis zur Unendlichkeit aufgeblasen wird.

- Der Layouter, der ein umwerfend neues Konzept entwickeln soll, das dann durch die Auftraggeber so lange verbessert wird, bis es genau so aussieht, wie zur Erfindung des Desktop-Publishings.

- Der Graphiker, der endlich mal ein zeitgemäß schlichtes Logo präsentiert und nach langer Korrekturphase alle Farben des Regenbogens verbaut hat...

- Bleibt vielleicht noch die Kunst!? Ja, da kann man sich austoben, wie einem die Gehirnwindungen gewachsen sind. Wären nicht die Galerien und Händler... momentan ist doch gerade dieser Trend gefragt! Könnten sie nicht einfach malen, statt Skulpturen drechseln!?

Deswegen fahren wir auch am liebsten Golf in der achten Generation. Wobei... die erste war wirklich etwas revolutionär Neues... bis die Verbesserungen kamen... und der Wunsch, es jedem recht zu machen.

Einmal Chicken mit Salz bitte!

Selbst zu kochen - also nicht nur was essbares zubereiten - ist für mich immer noch eine relativ neue "Innovation" und das, was dabei herauskommt genügt sicher keinen Gourmet-Ansprüchen. Es ist simpel, und weil ich es von zu Hause nicht anders kenne, extrem Salzarm.

Vielleicht trieb mich ein verborgener Heißhunger auf Salz heute, nach langer Zeit, mal wieder in die Hallen einer weltbekannten Burger-Bratanstalt mit dem verheißungsvollen "King" im Namen.

Einmal Chicken-Irgendwas-Menue mit Kaltgetränk und Mayo bitte: 6,99 € - so wirklich "billig" is das ja garnicht - aber egal, früher hat mir dieses Zeugs ja auch gemundet. Die Pommes... und oh Wunder, die sonst gerne mal versalzenen Kartoffelstäbchen waren essbar und fielen garnicht so unangenehm auf. Doch bevor mir gleich der Burger ob meiner ethischen Bedenken im Halse stecken bleibt: Hinein damit. Schluck. Ähm, ja?

Weit mehr als irgendwelche Gedanken an Massengeflügelzucht wurden mir spontan meine Geschmacksknospen von den modernen Kochkünsten der Einheitsbräterei verbogen. Das künstliche Grillaroma lässt sich ja schon nicht wegignorieren, aber warum in Dreiteufels Namen packen die da so viel Salz drauf, dass es selbst einem, der auf der Suche nach genau einem solchen Erlebnis ist, spontan die Lippen aufspringen lässt?

Naja - vielleicht, damit man die Limonade anschließend voller Gier hinunterspült? Wenn es denn helfen würde. Einen halben Liter Zuckerwasser später hab ich immer noch einen Geschmack im Mund, als würde ich mit Wasser aus dem Toten Meer gurgeln.

In einem Punkt war dieser Ausflug zumindest gelungen: So schnell wird mich kein Heißhunger mehr auf Salz oder gar nach einem Nahrungsmittelimitat einer Fastfoodkette überkommen. Für die nächsten Stunden bleibt das flaue Gefühl in der Magengend und die hoffentlich beständige Einsicht, dass ich dort nicht mehr hingehöre.