Multitalent sein ist fürn Arsch.

Früher - und dieses Früher ist wenig mehr als eine Dekade alt - hatte ich immer die passende Ausrede „Stimmt, ich kann alles, aber nix richtig“ auf den Lippen.

Zu dieser Zeit gab es aber noch so etwas wie ein Grundverständnis dafür, das man zur Produktion eines Kataloges wenigstens einen Photographen, einen Texter, einen Typographen, einen Layouter, einen Retuscheur, den ein oder anderen Helfer und natürlich das kreative Mastermind braucht.

Irgendwann begannen dann die Zeiten zu denen die Auftraggeber glaubten: Der Typ sitzt sowieso vor seinem Computer mit all den kreativen Programmen - wieso kann der denn nicht gleich alles machen - und da der sowieso schon alle Daten hat, dann diese bitte auch gleich ins Internet stellen!

Auf diesen Zug sind nicht wenige Einzelkämpfer und Kreativ-Nerds aufgesprungen, denn es war und ist ein scheinbar tolles Unterfangen dem Kunden alles aus seiner Hand bieten zu können. Die Handschrift passt, man muss keine Termine mit anderen absprechen und sich vor allem auch nicht über das angebliche Unvermögen von Spezialisten aufregen. Die Welt könnte so schön sein... währ da nicht dieser unausstehliche Bumerang. Und dabei rede ich gar nicht davon, das man sich mit seiner eigenen Terminplanung irgendwann nur noch ein Grab nach dem anderen gräbt.

Man fügt sich im Laufe der Jahre in all die Schranken ein, die einem durch den eigenen Wissenshorizont beim benutzen der immer mächtiger werdenden Programme gesetzt werden. Man hat gar keine Zeit mehr über all die Tellerränder zu gucken zwischen denen man rumschwimmt. Man hat gar keine Muße mehr sich in den Dingen intensiv weiter zu entwickeln, die einem wirklich am Herzen liegen...

Irgendwann funktioniert man nur noch. Als Schweizer Taschenmesser und nicht als Damaszener-Klinge... und mit der Schärfe und Beständigkeit des Outputs verhält es sich dann auch genau so.

Heute muss ich leider von mir sagen: Ich kann zwar alles - aber schon lange nix mehr richtig.